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August 2001 - Die Themen
Ärzte dürfen Spezialisierung bekannt machen...t
Karlsruhe (AP) Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat das Werbeverbot für Praxisschilder von Ärzten gelockert. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Kammerentscheidung stellt es keine unzulässige Werbung dar, wenn Zahnärzte auf ihrem Praxisschild den Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie angeben. Die von Berufsgerichten in Baden-Württemberg verhängten Geldbußen gegen zwei Zahnärzte wurden aufgehoben.
In der Begründung heißt es, die Entscheidungen verletzten die Berufsfreiheit der Zahnärzte. Eine Irreführung der Öffentlichkeit sei durch den Zusatz nicht zu befürchten. Das Landesberufsgericht für Zahnärzte in Stuttgart muss nun erneut entscheiden.
Die beiden Zahnärzte, die verschiedene Praxen in Baden-Württemberg betreiben, hatten Zertifikate des Berufsverbands der auf dem Gebiet der Implantologie tätigen Zahnärzte (BDIZ) erworben und erwirtschaften nach eigenen Angaben ein Viertel bis zur Hälfte ihrer Honorare über Implantate. Auf dem Praxisschild und auf Briefbögen verwendeten sie deshalb den Zusatz «Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie BDIZ». Dagegen schritten die Berufsgerichte ein und verhängten wegen berufsunwürdigen Verhaltens Geldbußen von 2.500 Mark (1.278 Euro) beziehungsweise 6.000 Mark (3.068 Euro). Die hiergegen eingelegten Verfassungsbeschwerden der beiden Zahnärzte hatten nun Erfolg.
Das Werbeverbot für Ärzte solle dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung dienen, heißt es in der einstimmigen Kammerentscheidung. Das rechtfertige aber nicht, alle Angaben und Zusätze auf dem Praxisschild zu verbieten. Es bestehe ein Interesse am Leistungsangebot eines Zahnarztes, sofern er sich spezialisiert habe. Die Gerichte dürften nicht mit Informationsverboten gegen das Patienteninteresse eine bestimmte Außendarstellung verhindern. Die Implantologie habe sich als Schwerpunkt tatsächlich herausgebildet. Es bestehe auch kein Zweifel daran, dass die beiden Zahnärzte auf dem von ihnen benannten Spezialgebiet nachhaltig tätig seien.
Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 1 BvR 873/00 und 874/00
Gründlichere Reinigung durch Zahnbürste mit Videokamera
Mit einer winzigen Videokamera wollen Entwickler des Elektronik-Konzerns Matsushita eine gründlichere Zahnreinigung ermöglichen. Ohne gewinkelte Zahnarzt-Spiegel lässt sich mit einer innovativen Video-Zahnbürste bis in die hintersten Ecken des eigenen Gebisses schauen, berichtet pressetext.deutschland. Die Bildsignale werden von der Kamera auf der Spitze der elektrischen Zahnbürste live auf einen Monitor im Badezimmer geschickt. Verborgene Essensreste oder blutendes Zahnfleisch werden so leichter erkannt. Auch wenn diese Technik nicht unbedingt in einem ästhetischen Genuss gipfelt, könnte sie zu einer besseren und gründlicheren Zahnpflege beitragen. Fraglich bleibt allerdings, ob und wann Panasonic diese Technik auf den Markt bringen wird.
Kino gegen die Panik beim Kreischen der Bohrer...
Angst vorm Zahnarzt? Dagegen gibt es jetzt eine sehr unterhaltsame Therapie. Kino im Behandlungsstuhl. Die Ingenieure von Philips und Olympus haben ein Zahnarztsystem entwickelt, das dem angstgebeutelten Patienten den Blick auf Bohrer und Zangen erspart. Wenn das große Schlottern beginnt, setzt man sich flugs eine Brille auf und lässt sich mit einem multimedialen Programm aus der rauen Welt der Praxis in die Regionen der Unterhaltung entführen. Über zwei Bügel und Kopfhörer empfängt der Patient den Ton und entspannt sich, die Displays der Brille liefern wie ein Fernseher das Bild dazu. Und der Film nach Wahl kommt vom DVD-Player. Dental Eye-Trek heißt das System.
Das Programm, meinen die Hersteller, lasse den Patienten die ungemütliche Umgebung vergessen, weil er sich auf das Filmgeschehen konzentriere. Bundesweit ist das System bereits in einer ganzen Reihe von Zahnarztpraxen im Einsatz. Weil der Patient nicht mehr ständig auf den Schmerz warte, berichtet ein Zahnmediziner, habe er nachweislich weniger Angst vor der Behandlung und auch ein signifikant niedrigeres Schmerzempfinden. Vor allem nach Langzeitbehandlungen stünde man wesentlich entspannter wieder aus dem Zahnarztstuhl auf. Das System ersetze zwar nicht die Betäubungsspritze, mache die Prozedur aber angenehmer.
Die Unterhaltungsbrille wiegt nur 85 Gramm und gaukelt dem Filmkonsumenten vor, dass der Bildschirm zwei Meter weit entfernt steht. Die Filmauswahl, meinen die Hersteller, solle in der Praxis nach Programm und über einen Filmaustauschdienst organisiert werden, der ähnlich wie ein Lesezirkel organisiert werden könne. * Der Sprecher der Hamburger Zahnärzte, Gerd Eisentraut, findet, das System sei eine gute Idee. "Seit 20 Jahren wird versucht, über solche Ablenkungsmanöver Patienten die Zahnarztangst zu nehmen.
Das habe mit dem Walkman begonnen, der das Ohr der Geplagten verwöhnen sollte. "Ein guter Weg, wenn man die negative Wahrnehmung von Patienten abschalten kann. Das geht über das Bild noch sehr viel besser." Rund 20 bis 30 Prozent der Patienten haben mehr oder weniger ausgeprägte Zahnarztängste, sodass manche den Mediziner nur bei äußersten Beschwerden aufsuchen mögen. Im Einzelfall versuchen die Zahnmediziner ihnen auch mit Hypnose zu helfen. * Bleibt die (unernste) Frage nach dem Wunschfilm. "Schau mir in die Augen, Kleines", "Der weiße Hai" oder "Pretty Woman", weil Julia Roberts so prächtige Zähne hat? Spätestens, wenn Rhett Butler Scarlett O'Hara in die Arme reißt, vergeht jeder Schmerz. Aber was geschieht, wenn die Behandlung vor dem Happy End abgeschlossen ist? Noch eine Krone mehr aufgesetzt? Werden für Dauerpatienten gar Serien angeboten von Dallas bis Lindenstraße? Und überhaupt: Wann gibt es endlich eine Zahnarzt-Serie?
Zahnbürste hält die Lunge frei
PITTSBURGH - Gelangen Sekrete aus Mund und Rachen in die Lunge, können sie erheblichen Schaden anrichten. Vor allem ältere Personen mit schlechten Zähnen oder Schluckstörungen laufen Gefahr, eine Aspirationspneumonie zu entwickeln.
Jeder zweite gesunde Erwachsene aspiriert im Schlaf kleine Mengen Rachensekret. Trotzdem droht ihnen dadurch in der Regel keine Pneumonie. Diese entwickelt sich hauptsächlich dann, wenn das Sekret auf Grund schlechter Mundhygiene bzw. Zahnpflege stark bakteriell besiedelt ist und gleichzeitig die körpereigenen Schutzmechanismen, wie Schluck- und Hustenreflex, ziliärer Transport, zelluläre und humorale Abwehr, geschwächt sind oder versagen. Betroffen sind daher überwiegend Schlaganfallpatienten, ältere und abwehrgeschwächte Personen.
Zahnlose Menschen und solche in stationärer Pflege, die eine intensivere Mundpflege erhalten, sind deutlich weniger Pneumonie-gefährdet, schreibt ein amerikanischer Intensivmediziner in "The New England Journal of Medicine" Bei Patienten mit Schluckstörung können einfache Maßnahmen, wie z.B. die Ernährung mit breiiger Kost, das Kinn beim Essen vorschieben und den Kopf leicht anheben, das Risiko der Aspiration vermindern. Magensonden bringen dagegen keine Vorteile, so die Überzeugung des Kollegen, da sie die Aspiration von bakterienreichem Speichel nicht verhindern können.
MW Quelle: Dr. Paul E. Marik, Section of Critical Care Medicine, Mercy Hospital of Pittsburgh; The New England Journal of Medicine; Vol. 344, No. 9 (2001), S. 665 – 671 MTD 24 / 2001 S. 11
Jeder Fünfte mahlt sich im Schlaf die Zähne kaputt
Wer morgens häufig gerädert aufwacht, gereizt und nervös ist, sollte zum Zahnarzt gehen. Das klingt zunächst absurd. Doch Ursache für diese Beschwerden könnte nächtliches Zähneknirschen sein. Der so genannte Bruxismus ist inzwischen eine Volkskrankheit: 18 Millionen Deutsche mahlen sich im Schlaf die Zähne kaputt. Offenbar verarbeiten sie auf diese Weise ihren Alltagsstress.
Die Zahl der Betroffenen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wie Untersuchungen der Zahnärztekammer Tübingen belegen. Zahnärzte warnen: Die nächtliche Kau-Orgie kann zu Tinnitus, Migräne, Kopfschmerzen und Zahnausfall führen.
Ursache meist psychisch
Erklären lässt sich der rasante Zuwachs der Zähneknirscher vor allem mit dem Stress, der immer mehr Menschen belastet. Der Mund ist schließlich durch viele Erregungsleitungen mit dem zentralen Nervensystem verbunden - die nahe liegende Interpretation des Bruxismus lautet deshalb: Im Schlaf signalisiert das Gehirn den Kaumuskeln, alles Bedrückende und Belastende zu zerkauen und aus der Welt zu schaffen.
Neben der angegriffenen Psyche können auch Zahnfehlstellungen für das laute Geknirsche der Grund sein: Unbewusst versucht der Schlafende sein Gebiss in die richtige Stellung zu bringen.
Zahnausfall doppelt so häufig
Kräfte von mehr als 80 Kilogramm wirken auf die Kiefergelenke. Die Folge: Betroffene kauen ihre Eckzähne ab und wetzen Scharten und Risse in die Zahnsubstanz, so dass Karies entsteht. Dies verdoppelt das Risiko, Zahnausfall zu erleiden.
Aufbissschiene verhindert Knirschen
Doch es gibt einen Ausweg aus der Misere: Wer unter Bruxismus leidet, sollte sich vom Zahnarzt eine so genannte Aufbissschiene anfertigen lassen. Sie verhindert nicht nur das Knirschen, sondern schützt auch vor den Folgeerkrankungen. 60 Prozent aller Kopfschmerzen können durch die Aufbissschiene geheilt werden, schätzen Experten. Zähneknirscher sollten aber auch gegen den Stress vorgehen mit Entspannungstechniken wie autogenem Training, Meditation und Atemübungen.
Hamburg hat zu viele Zahnärzte
In Hamburg gibt es mehr Zahnärzte als je zuvor: Seit 1990 ist ihre Zahl jedes Jahr um zwei bis drei Prozent gestiegen. Inzwischen liegt sie bei 1420. "Das sind entschieden zu viele Zahnärzte für Hamburg", sagte Wolfgang Sprekels, Präsident der Zahnärztekammer Hamburg. Vor allem, weil gleichzeitig die Budgets der Kassen immer knapper würden. "Ich kann nur jedem Abiturienten raten, einen Bogen um das Studium der Zahnmedizin zu machen", sagt Sprekels.
Der oberste hanseatische Zahnarzt ist sauer - nicht nur wegen sinkender Gesamteinnahmen. Die "Regulierungswut" der Politiker und Krankenkassen mache den "schönen und freien Beruf noch unattraktiver", so Sprekels. Und mit dem "Harmonisierungsdruck" durch Europa sei für weitere Zwänge gesorgt.
Den älteren Dentisten geht es zwar nach wie vor recht gut. Junge Zahnärzte aber müssten sich vor Eintritt in eine Praxis haushoch verschulden, sagt der Sprecher der Hamburger Zahnärzte, Gerd Elsentraut. "Da kommen gut und gerne 600 000 Mark zusammen, die der Jung-Arzt aufbringen muss, um sich in eine Praxis einzukaufen." Zumal der "mitgekaufte" Patientenstamm schnell alt aussieht - es gibt zu wenige junge Patienten, die nachwachsen. * Im Durchschnitt erzielte ein Hamburger Zahnarzt 1999 einen Überschuss von 179 000 Mark, nach Abzug aller Betriebsausgaben. Ein Jahr zuvor waren es noch 186 000 Mark. Um dem Abwärtstrend zu begegnen, suchen die Zahnärzte händeringend nach Auswegen. Einige stellen ihr Praxisschild ins Internet. Das ist keineswegs als unlautere Werbung verboten, sondern nach genau festgelegten Regeln erlaubt. Wieder andere schicken den Patienten bunte Merkzettel ins Haus, die an den nächsten Termin erinnern - oder bieten verstärkt Vorsorgebehandlungen an, die privat bezahlt werden müssen.
Die am weitesten verbreitete Methode ist jedoch die Gründung einer Gemeinschaftspraxis, verbunden mit der Spezialisierung der einzelnen Partner. "Der eine stürzt sich auf Parodontose, der nächste auf Zahnersatz und der dritte auf Implantate", sagt Elsentraut.
Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden können dann innerhalb der Praxis den richtigen Arzt finden. Und die Urlaubsvertretung lässt sich leichter organisieren. Diese Entwicklung wird von der Zahnärztekammer mit gemischten Gefühlen betrachtet. Elsentraut: "Wir sehen den Zahnarzt eher als Generalisten, der alles gleich gut kann."
"New Tom" blickt direkt in den Knochen
Erstes Zentrum für Implantatdiagnostik eröffnet. Digitaler Volumen Tomograph ist genau, schnell und strahlungsarm.
Nur 70 Sekunden Untersuchungszeit und eine Strahlenbelastung, die um 80 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Computertomographen liegt: "New Tom" heißt das neue Röntgengerät, das gestern in der Zahnarztpraxis von Dr. Richard Meissen an der Mülheimer Straße installiert wurde. Damit gibt es in Duisburg landesweit das erste Zentrum für Implantatdiagnostik. Vierfach höhere Genauigkeit Der Digitale Volumen Tomograph (DVT), von dem in Vilshofen geborenen Arzt und Zahnarzt Konrad Jacobs entwickelt und 1998 erstmals auf wissenschaftlichen Tagungen vorgestellt, wurde in Verona/Italien hergestellt. Im Vergleich zum herkömmlichen Tomographen hat das Gerät die vierfach höhere Genauigkeit. Dr. Richard Meissen, Spezialist für Chirurgie und Implantologie: "Wir haben eine Genauigkeit von 0,5 Millimeter. Das ist bei Implantaten wichtig, wo es auf Millimeter zu den Nerven ankommt.
Die dreidimensionale Darstellung erlaubt dem Arzt den Blick in die Knochen (bei bisherigen Geräten durch die Knochen) und verbessert damit das Erkennen der Nervenstruktur und der Ursachen von unklaren Beschwerden. Darüber hinaus schafft der Tomograph die Voraussetzungen für die Navigation, die den sichersten Weg zum Operationspunkt aufzeigt.
Eingesetzt wird "New Tom" in der Zahn-, Herd-, Tumor-, und Schmerzdiagnositik, Traumatologie sowie bei Erkrankungen wie Tinnitus, chronische und akute Kieferhöhlenentzündungen sowie Hals-, Nasen- und Ohrenproblemen. Der Patient wird von seinem Facharzt zum Zentrum für Implantatdiagnostik Rhein Ruhr überwiesen und nimmt nach der Aufnahme die Daten auf CD oder als Ausdruck für seinen Arzt mit.
Ab Montag wird der DVT eingesetzt. Die ersten Patienten haben schon Termine. (p.s.)
Merz für Beitrags-Rückerstattung bei gesetzlichen Krankenkassen
Berlin (Reuters) - Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) hat eine Belohnung für Versicherte von gesetzlichen Krankenkassen gefordert, wenn sie ihre Versicherung ein Jahr lang nicht in Anspruch genommen haben. Merz sagte der "Welt am Sonntag" nach einem Vorabbericht, dann könne es Beitrags-Rückerstattungen geben. Weiter führte er das Konzept nicht aus. Das Bundesgesundheitsministerium gab zu der Forderung keine Stellungnahme ab. In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es derzeit ein Bonussystem, bei dem sich etwa die Zuzahlungen zum Zahnersatz reduzieren, wenn der Versicherte ein Mal im Jahr zum Zahnarzt geht. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) setzt auf verstärkte Krankheits-Prävention.
Angesichts steigender Krankenkassenbeiträge hat die Union die Regierung aufgefordert, noch vor der Bundestagswahl 2002 eine Gesundheitsreform in Angriff zu nehmen. Die Regierung hat dies bislang abgelehnt.
Merz forderte weiter, Patienten müssten beim Arztbesuch eine Kopie der Rechnung bekommen, die der Arzt bei der Krankenkasse einreicht. Dies führe zu mehr Transparenz im Gesundheitssystem. Die Patienten müssten die von ihnen verursachten Kosten kennen. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums verwies auf einen Modellversuch mit Arzt-Quittungen, der derzeit noch laufe.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, forderte in der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe), die Kassen sollten jeden Versicherten einmal jährlich über die verursachten Kosten informieren und die betreffenden Beitragseinnahmen gegenüberstellen. Braun sprach sich gegen die von Teilen der Union geforderte Aufteilung der Kassenleistungen in Grund- und Wahlleistungen aus. "Wir kommen dann sehr schnell in eine Zwei-Klassen-Medizin", sagte er. (vat/kad)
Parodontose stoppen. Von SIEGLINDE NEUMANNN
Morgens im Bad. Sie putzen sich die Zähne, spülen den Mund aus - und im Waschbecken ist Blut. Schon erlebt? Mit Sicherheit. 80 bis 90 Prozent der Bundesbürger haben mehr oder weniger regelmäßig Zahnfleischbluten durch Zahnfleischentzündung. Vielleicht haben Sie es gerade heute früh bemerkt. Dann sollten Sie sofort die Notbremse ziehen. Das bisschen Blut ist erste Stufe der Parodontose. Häufigste Ursache für Zahnausfall jenseits der 40. Erhöht nachweislich Fehlgeburtsraten und das Herzinfarkt-Risiko.
Was Sie selber tun können, um Parodontose zu stoppen, ist so langweilig (und richtig) wie der Ratschlag, sich vollwertiger zu ernähren oder mehr Sport zu treiben: Sie müssen öfter, gründlicher Zähne putzen.
Dazu gehört Zahnseide (Dentalfloss) oder - leichter zu bedienen - die Zwischenraumbürste (siehe Bericht unten). Häufigster Fehler: Wir hören mit Putzen auf, weil es zu stark blutet. „Dabei“, so der Düsseldorfer Parodontologe Hans-Dieter John, „machen Sie es genau dann richtig.“ Erfolgskontrolle: Nach vier bis sieben Tagen ist die Entzündung, mit ihr das Bluten fort.
Liegen schon Zahnhälse frei, weil sich das Zahnfleisch und der Knochen zurückziehen, können Ärzte operativ helfen.
Zahnfleisch-Transplantation: Der Arzt schneidet ein winziges Stück Haut aus dem Gaumen, drückt es in die Lücke. „Das tut überhaupt nicht weh und wächst in sieben Tagen wunderbar ein“, schwärmt die Kölner Spezialistin Dr. Marit Wendels-von Goesseln. Kosten: Ab 600 Mark pro Zahn.
Knochenaufbau mit Eigenblut: Der Arzt nimmt Ihnen Blut ab. Das Blut wird in einer Zentrifuge geschleudert. Danach sind die Blutbestandteile getrennt. Es entsteht ein Konzentrat aus Wachstumsfaktoren. „Ein Segen für Raucher oder Diabetiker mit schlechter Wundheilung“, so Dr. Wendels-von Goesseln.
Laser - hier keine Wunderwaffe. Gegen den betonharten, bakteriell verseuchten Zahnstein in der Tiefe (Fachausdruck Konkremente) kommt das Lichtskalpell nicht an. Sie kriegen eine örtliche Betäubung. Der Zahnarzt kratzt mit einem nadel-spitzen Instrument den Parodontose-Nährboden ab. Mal zahlen die Kassen, mal nicht.
Bitten Sie deshalb vor jeder Parodontosebehandlung um einen Kostenvoranschlag. Reichen Sie ihn der Kasse ein, um herauszufinden, was sie zahlt. Adressen von Spezialisten bundesweit über Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Tel. 0941/27 04 93, e-mail dgparo@t-online.de Express-online
Patienten wollen nicht liegend mit Zahnarzt reden
AUGSBURG. Zahnarztpatienten wollen über ihre Behandlung und den Zahnersatz nicht im Liegen mit dem Zahnarzt verhandeln. Dies ergab eine "Imagestudie" mit 30 000 Patientenbefragungen durch das Augsburger Institut für Gesundheitsmanagement. Danach werden Zahnarztpraxen von Patienten auch schlecht beurteilt, wenn neben der Verhandlung im Liegen die Teppichböden angeschmutzt und die Mundspülbecken verkalkt sind und der Patient vom Arzt mit dem Handschuh begrüßt wird. In "guten" Zahnarztpraxen müssen die Patienten weniger lang mit umgebundenem Latz warten. Für die Patienten ist die Freundlichkeit in der Praxis mit 52 Prozent wichtiger als haltbare, gründliche Zahnarbeiten (44 Prozent), gefolgt von schonender und komplikationsfreier Behandlung (36 Prozent). 75 Prozent aller Patienten finden einen Zahnarzt durch Mundpropaganda, nur drei Prozent bemühen das Branchenverzeichnis. (dpa)
Nach zuckerfreien Kaugummis und Bonbons gibt´s nun auch zahnfreundliche Schokolade.
Eine Gruppe von 50 Berliner Schülern durfte "blind" beurteilen, ob sich der zuckerfreie Schmelz mit guter, alter Milchschokolade messen kann. Doch 93 % der Teenies mundete die Milchschoko besser und sie fanden das neue Produkt nicht süß genug, berichtete Diplom-Chemiker Christof Krüger, Danisco Sweeteners, Hamburg, auf einer Pressekonferenz des Vereins "Aktion zahnfreundlich e.V."
Also wurde nachgesüßt und die verbesserte Version auf der Süßwarenmesse in Köln vorgestellt. Mittlerweile ist "SchokoSmile" in einer Drogeriekette erhältlich. Wer allerdings meint, künftig sündigen zu können, ohne überflüssige Pfunde zu riskieren, irrt. An dem Kaloriengehalt der Nascherei hat sich leider nichts geändert.
Abführende Wirkung nicht zu befürchten
Die Entwicklung der Schokolade, die nach Aussage des Herstellers garantiert keine Karies verursacht, dauerte etwa zehn Jahre. Außer dem Zucker musste auch das Milchpulver ausgetauscht werden. Dieses enthält jedoch Milchzucker und Milchmineralien – Bestandteile, die für den Geschmack der Schokolade entscheidend sind. Mit Hilfe eines aufwändig hergestellten sprühgetrockneten Milchpulversubstituts ließ sich schließlich auch dieses Problem lösen.
Eine abführende Wirkung sei bei nicht übermäßigem Verzehr übrigens nicht zu befürchten, erklärte Christof Krüger gegenüber Medical Tribune. Die 75-g-Tafel "Milchmineralkuvertüre" (als Schokolade darf sie nicht deklariert werden) enthält weniger als 10 % Zuckeralkohole, von denen erst 20 g pro Tag als abführend gelten. MH MTD 33 / 2001 S. 32 Medical-Tribune
Berliner Charite testet «unsichtbare» Zahnkorrektur
Silberne Zahnspangen könnten bald der Vergangenheit angehören. Aus den USA kommt ein fast unsichtbares Zahnkorrektursystem jetzt auch nach Deutschland. Das patentierte Invisalign-System aus dem kalifornischen Silicon Valley wurde erstmals in Deutschland vom Berliner Universitätsklinikum Charite getestet und am Mittwoch vorgestellt. Statt mit Silberdrähten, die unangenehm für Zunge und Wangen sind, arbeitet das System mit einem starren, farblosen Plastiküberzug, der die Zahnstellung korrigiert.
«Dieses Verfahren ist vor allem für ästhetische Behandlungen von Menschen ab 16 Jahren geeignet», meinte Untersuchungsleiter Rainer- Reginald Miethke von der Charite-Zahnklinik. Die Kosten von 5000 bis 9000 Mark müssen Interessierte selbst tragen. In den USA wurden nach Angaben von Align Technology Santa Clara (Kalifornien) bisher 30000 Patienten behandelt. In Deutschland sollen sich schon 1200 Kieferorthopäden für die Technik qualifiziert haben.
Die Zahnkorrektur mit dem neuen System erfolgt nach Angaben des Herstellers in 10 bis 60 Einzelschritten. Ein Computer errechnet auf Grundlage von Röntgenbildern, Fotos und einem Gebissabdruck die einzelnen Plastikschienen, die der Patient nach jeweils 14 Tagen austauscht. Jede Schiene bewegt die Zähne mit sanften Druck um 0,1 bis 0,2 Millimeter. Herausgenommen wird sie nur zum Essen.
«Gegenüber den Zahnspangen sind die Schienen viel hygienischer», sagte Miethke. Darüber hinaus blinkt und blitzt auch nichts mehr im Mund. «Nur wenn man sehr genau hinschaut, ist der Plastiküberzug zu sehen.» Die neue Methode korrigiert nach Herstellerangaben Zahnlücken und Zahnüberschneidungen von bis zu sechs Millimetern sowie so genannte Über- und Unterbisse und richtet Zahnreihen auf.
Seiten des amerikanischen Herstellers: http://www.invisalign.com (englisch); http://www.unsichtbare-zahnkorrektur.de
Wer schöne Zähne will, muss zahlen...
Marburg. Viele Zahnarztpraxen bieten zusätzlich zu den Kassenleistungen private Vorsorge und ästhetische Behandlungen an. Viele Patienten sind verunsichert. Was ist nötig, was nicht?
von Gabi Neumann
Eine professionelle Zahnreinigung kann eigentlich nichts Schlechtes sein, denken viele Patienten, aber warum zahlt dann nicht die Kasse?
Ganz einfach, erklärt der Marburger Zahnarzt Dr. Hagen Zastrow. „Die Möglichkeiten der zusätzlichen Maßnahmen hat sich erhöht“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Kreisstelle Marburger der Landeszahnärztekammer. Die Kasse zahlt, was ausreichend, funktionell und wirtschaftlich ist, nicht mehr und nicht weniger.
Heißt im Klartext: Die Zahnsteinentfernung zahlt die Kasse, weil durch Zahnstein Parodontose entstehen kann. Die Politur der Zähne, die vor allem schön aussieht, zahlt der Patient. Der Kassenkatalog setzt auf Reparatur, die Zahnärzte bieten stets mehr Prophylaxe, Vorbeugung an. Das hängt aber nach Auskunft von Standesvertretern nicht mit der rückläufigen Zahl der Karieserkrankungen zusammen. Die Erhaltung der Zähne diene in erster Linie nicht der Erhaltung der eigenen Praxis, sondern habe das langfristige Wohl des Patienten im Auge, betonen sie. „Wenn jemand 350 Mark im Jahr für professionelle Zahnreinigung bezahlt und dadurch seine Zähne erhält, ist er besser beraten, als die 350 Mark für eine Krone zu bezahlen“, sagt etwa der Marburger Zahnarzt Konrad Jacobs.
Er hängt in seiner Praxis Preislisten für die Zusatzleistungen aus, ein Vorgehen, das von Kollegen nicht unkritisch betrachtet wird. „Die anderen haben auch Preislisten, sie schämen sich nur, die Preise offen zu nennen“, sagt Jacobs. Wenn der Patient die Preise vorher kenne, könne schließlich jeder selbst entscheiden, ob ihm die Zusatzleistung ihr Geld wert sei.
Mit Keramik, Kunststoff oder Amalgam werden Löcher in den Zähnen gefüllt. Ein neues Material kann mehr: Der Zahnschmelz wird wieder mineralisiert.
Von Patrick Eickemeier
Viele Zahnarztpatienten kennen das Problem: Unter einer alten Füllung hat sich ein neues Loch gebildet. Die Plombe muss entfernt und eine neue Füllung eingepasst werden. Mithilfe eines neuartigen Füllmaterials könnte dem Patienten das doppelte Bohren zukünftig erspart werden: Amorphes Calciumphosphat (ACP) mineralisiert den Zahnschmelz und kann auf diese Weise sogar kleine Löcher verschließen.
Kleine Löcher und Risse
Die Forscher Joe Antonucci und Draga Skrtic testeten das Material an Rinderzähnen, bei denen sie künstlich Karies verursacht hatten. Sie stellten fest, dass mit dem Material neuer Zahnschmelz gebildet wird. Das ACP setzt Calcium- und Phosphat-Ionen frei, die «im richtigen Verhältnis das natürliche Zahnschmelzmineral Hydroxyapatit bilden können», so Antonucci auf dem Kongress der Gesellschaft Amerikanischer Chemiker in Chicago.
Das Material könne jedoch nur kleine Löcher und Risse verschließen. Aufgrund seine mechanischen Eigenschaften eigne es sich auch nicht als alleiniges Füllmaterial. Eine ACP-Auskleidung des Zahnlochs unter der eigentlichen Füllung könne aber verhindern, dass sich ein neues Loch bildet, was bislang bei fast jeder zweiten Füllung passiert.
Mineralentzug stoppen
«Im Moment arbeiten wir an einem Material, das als kieferorthopädischer Klebstoff eingesetzt werden könnte», sagt Antonucci. Zahnspangen werden oft mit Klammern an einzelnen Zähnen fixiert. An der Kontaktstelle verliert der Zahn das Zahnschmelzmineral. «Mit dem neuen Material haben wir den Vorteil, dass der Zahnschmelz wieder mineralisiert wird, oder der Mineralentzug zumindest gestoppt wird», sagt Antonucci. Auch die Kariesentstehung durch Speisereste und Plaque, die sich an den Kontaktstellen sammeln, könne aufgehalten werden.
Eine weiteres Einsatzgebiet für das ACP könnten komplizierte Knochenbrüche etwa am Schädel oder bei der plastischen Gesichtsrekonstruktion sein. Antonucci sieht ein großes Potenzial für die medizinische Anwendung: «Langfristig sehen wir den Einsatz unseres Materials bei der Wiederherstellung bestimmter Gewebe. Fehler in der Knochensubstanz könnten mit dem spritzbaren und biologisch verträglichen Material behoben werden.»
Zahnärzte gegen Medikamentenpass...
Gesundheitsreform Leipzig.
Der von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante Medikamentenpass stößt auch in Sachsen auf Kritik. "Sachsens Zahnärzte lehnen den Medikamentenpass ab", erklärte gestern der Präsident der Landeszahnärztekammer, Joachim Lüddecke, auf einem Pressegespräch in Leipzig. Es handele sich um "sensible Daten" und die Risiken, die damit verbunden seien, wären unübersehbar. In der Diskussion um die Entwicklung des Gesundheitswesens in Deutschland setzen die Zahnärzte im Freistaat vor allem auf Therapiefreiheit und freie Arztwahl.
Derzeit bereiten die Mediziner den 11. Zahnärztetag am 27. September in Chemnitz vor, in dessen Mittelpunkt die Bedeutung der Zahnheilkunde für den gesamten Körper steht. Während die Zahl der Zahnfüllungen beständig abnahm, seien in den neuen Bundesländern Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen ein Problem. 85 Prozent aller über 40-Jährigen seien dringend behandlungsbedürftig, so Lüddecke.
Gegenwärtig arbeiten in Sachsen insgesamt 3492 Zahnärzte, davon 3278 in eigener Niederlassung. Laut Gesundheitsbericht 1999 saß jeder Einwohner Sachsens 1,7-mal auf dem Kassen-Zahnarzt-Stuhl.
Die Mediziner bieten zudem für Patienten ein breites Informationsangebot im Internet. So gibt es u.a. Beratung und Service für Notfalldienste.
Zahnbetterkrankungen leichter zu verhindern als zu behandeln
In der ersten Septemberwoche werden sich die zahnärztlichen Patientenberatungsstellen in Deutschland einem Thema gezielt widmen und dieses auch solchen Patienten nahebringen, die eigentlich mit einer anderen Frage gekommen sind: "Fast alle Erwachsenen haben Zahnbetterkrankungen", sagt Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, "und wir wissen, dass viele Patienten selbst fortgeschrittene Entzündungen nicht bemerken und daher auch nicht rechtzeitig behandeln lassen - und die Folgen nicht kennen." Die Ursache der Entwicklung ist meist simpel: Zahnbeläge haben anfangs zu leichten Entzündungen und im Fortgang zu einer Ablösung des Zahnfleisches vom Zahn und schließlich zu einem Rückgang des Kieferknochens ("Zahnfleischtaschen") geführt. Diese "Taschen" sind ideale Schlupfwinkel für Bakterien und mit normaler Zahnhygiene nicht zu reinigen. Folge von Zahnbettinfektionen sind nicht nur lange, empfindliche Zahnhälse und Lockerung von Zähnen bis zum Zahnverlust, sondern neuen Erkenntnissen zufolge können bakterielle Zahnbetterkrankungen auch im Zusammenhang stehen mit Herzmuskelentzündung, Diabetes, Bluthochdruck, Frühgeburten, sie stellen ein Risiko dar bei Transplantationen - um nur einige allgemeingesundheitliche Zusammenhänge zu nennen. "Wenn wir über die Verhütung von Zahnbetterkrankungen aufklären, geht es also nicht ‚nur' um saubere Zähne, sondern auch um die Gesundheit im Allgemeinen", sagt Dr. Oesterreich, "und wir hoffen, dass Patienten im Wissen, dass es hier um mehr geht, noch sorgfältiger auf ihr Zahnfleisch und ihre Zähne achten."
Die Patienten, die in der ersten Septemberwoche die zahnärztlichen Patientenberatungsstellen aufsuchen, erhalten zwei Informationsbroschüren der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP), die Zusammenhänge und Tipps zur Vorbeugung vermitteln. Diese Broschüren können bei vielen Beratungsstellen auch ohne Termin abgeholt werden.
Das Interesse an diesen Informationen ist auch außerhalb der Zahnmedizin erheblich, auch viele Arztpraxen, Diabetes-Kliniken und andere Einrichtungen haben sich für ihre Patienten mit diesen Ratgebern ausgerüstet. Wenn die Broschüren bereits vergriffen sind, können sie auch kostenlos (schriftlich) angefordert werden bei: GABA Beratungsservice, Postfach 2420, 79514 Lörrach bzw. info@gaba-dent.de Informationen über die zuständige zahnärztliche Patientenberatungsstelle sind erhältlich bei der jeweiligen Landeszahnärztekammer, über die bundesweite kostenlose Hotline-Nummer 0800-8233283 bzw. im Internet unter www.bzaek.de